Dusk: Ist es denn so, dass Du quasi so viele Texte schreibst, dass Du welche auf Halde hast und dann...?
Miez: Also ich habe Gedankengänge auf Halde, Ideen oder manche Reime. Und was ich von mir persönlich noch erwarte und erhoffe, ist, dass ich auch mal aus dem Reimschema rauskomme und mal eine A4-Seite oder vielleicht sogar eine ganze Kurzgeschichte schreibe - da komme ich ja auch her, das habe ich mal mehr forciert.
Ich les so gerne und hör so gerne Hörspiele und denke immer: Ja klar, gute Frage und da gehen die Charaktere hin, aber verdammt, wie machen die das? Da will ich noch mal hin.
Dusk: Wie wichtig ist für Dich der reale Kontakt zu Fans, gerade während und nach Konzerten? Könntest Du auch ohne?
Miez: Nein! Die Jungs pirschen ja vor den Konzerten immer durch den Club und kucken, wer so da ist, und da frage ich auch immer: Ok, wer ist da? Wen seht Ihr? Und ich frage auch immer die Club-Besitzer: Welche Leute sind denn neu dazugekommen, welche Gesichter kennst Du schon?
Es ist mir komischerweise ein Bedürfnis, dass ich die Leute, die MIA. Musik hören - ich möchte die mögen. Ich möchte die gut finden, mich mit denen verstehen, mit ihnen identifizieren, so wie die sich mit uns identifizieren. Und ich brauche ja auch Input.
Und vor allem sind wir eine Band - wir fordern richtig krass. Das fällt einem auch nur auf, wenn man andere Bands dann im Vergleich sieht. Es würde mir so nie einfallen, aber letztendlich, von außen betrachtet: Die Hände müssen oben sein, der Geist wach und veränderungswillig und bereit für Kitsch, bereit für Pathos und bereit für die große Geste. Bereit für: Jetzt oder nie! Für diese Dinge.
Dusk: Das hat sich ja sicherlich auch verändert über die letzten drei Touren?
Miez: Es ist auch da schlimmer geworden.
Dusk: Schlimmer oder besser?
Miez: Äh, besser (lacht). Für manche Leute ist es ja auch wirklich... Also wenn ich mich jetzt selbst als Konzertbesucher wahrnehme, weiß ich auch, was wir da den Leuten abverlangen, was wir da wollen, ehrlich. Bei einer Band, die ich sehr liebe, also ich bin da ich sehr sehr kritisch, sowohl als Besucherin als auch als Künstlerin. Bevor ich runtergehe von der Bühne und sage: Es war ein gutes Konzert!, da muss echt einiges passieren.
Und dafür sind wir ja dann auch wieder mehrere, so dass der eine sagt:Ich fands super! Und der andere sagt: Bei dem oder dem Stück, da wusste ich nicht, wie war das denn da bei Dir? Und da bin ich echt immer so froh - ich will kein DJ sein, mit Plattenkoffer und dem Flugticket...
Dusk: Der Output hat, aber wenig Input?
Miez: Ja, aber der Dialog ist ein anderer, mehr nur noch ein Monolog. Mir ist das Gesicht und der Mensch wichtig. Und ich finde auch, ehrlich gesagt, nix schlimmer als die Vordrucke, die man bekommt, in denen steht: Bitte zehn signierte Autogrammkarten ohne Namen an folgende Adresse schicken! Für mich ist es total wichtig, dass das etwas mit dem Menschen zu tun hat und dem Dahinter. Einfach nur so unterschreiben - nö!
Dusk: Mit der Trapeznummer während der Zirkus-Tour hast du ja gezeigt, dass mit viel Durchhaltewillen, Vorbereitungszeit und Power eigentlich nichts unmöglich ist. Was hat sich dadurch für Dich verändert?
Miez: Auf jeden Fall die Wahrnehmung. Da ich mich ja bis zu diesem Trapezzeitpunkt selbst für völlig unsportlich gehalten habe, weil schon so lange Knieprobleme habe, hundert Jahre keinen Sport mitgemacht in der Schule. Ich wußte überhaupt nicht mehr, was so geht - nur gerüchtehalber.
Ich war ein bisschen vorbereitet durch Yoga, komme dann da hin, fange bei Null an und lande dann tatsächlich mit 'ner Trapeznummer auf dem Trapez - und mir gings total gut dabei. Und ich habe aufgrund dieses regelmäßigen Trainings die Zirkus-Tour extrem gut überstanden.
Also alles, was davor an Tour gelaufen ist, da gab es immer einen Moment, wo es einen Breakdown gab. Bei der ersten Tour richtig krass, wo es die Doku drüber gibt mit Zettel und Stift, wo nichts mehr ging, nur noch Singen abends. Und bei der zweiten Tour gabs ja auch einen Break, wo plötzlich nach der AIDS-Gala [inBerlin] in Prag nichts mehr ging. Wirklich schlimme Momente.
Und es gab zur Zirkus-Tour nicht einmal die Frage, ob ich für irgendwas nicht fit genug bin. Und das hat wirklich ganz spezielle Lebensgeister in mir geweckt, und seitdem arbeite ich auch an dieser Fitness und an dieser Wachheit. Und es tut mir total gut - es tut dem Atem gut, es tut der Stimme gut, meiner Power, meinem Ausdruck, meiner Rhythmik (lacht), da kann ich wirklich noch gut dran arbeiten.