Dusk: Bob, Du bist ja ein vielbeschäftigter Mann. Ist MIA. eigentlich ein Full Time Job für Dich? Gab es im letzten Jahr seit Beendigung der Zirkus-Tour auch mal ruhigere Phasen, wo Du Dich zurücklehnen konntest?
Bob: Ja. Auf jeden Fall vielbeschäftigt und Full Time Job insofern, dass da keine Zeit für irgendetwas anderes ist, was man so machen könnte, außer für Hobbies, die man hat. Aber auf jeden Fall 'ne sehr angenehme Auslastung. Man macht halt Musik und weiß, es gehört noch einiges mehr dazu als das eigentliche Musikmachen und die Proben. Vor allen Dingen auch in abwechslungsreichen und unterschiedlichen Phasen: einmal ist es das Musik-Kreieren und Viel-Zuhause-Arbeiten. Andererseits im Proberaum die Songs zu erarbeiten, miteinander zu spielen; wie man spielt, welche Sounds man benutzt, alles so'ne Sachen.
Bis dann zu dem Organisatorischen, immer bevor es losgeht, dass man sich Gedanken über alles Mögliche macht: Wie sieht die Bühne aus? Wie sehen wir aus? Wie sehen die Klamotten aus? Wer kann das machen? Wer passt zu uns? Wie sind unsere Ideen?
Also man hat ständig was anderes zu tun, was mir viel lieber ist, als dass ich mir vorstellen würde, in irgend 'nem Job zu arbeiten, wo ich meine geregelten Arbeitszeiten habe und wirklich weiß, wann ich meinen Feierabend habe, aber dafür immer das Gleiche mache und ich es nicht für mich selber mache. Da ist mir das auf jeden Fall die angenehmere Variante, manchmal ziemlich erschöpft zu sein, aber immer eins zu eins zu spüren, dass wenn man was gut macht, dann bekommt man das auch gut wieder zurück. Und wenn man' s verkackt, spürt man es halt auch gleich und lernt aus seinen Fehlern.
Dusk: Ihr arbeitet seit Beginn als Band mit Nhoah als Produzenten, mit Staab und Inga als Managern, mit Frederic als Videoproduzenten. Findest du diese Kontinuität im Umfeld und auch in der Band ungewöhnlich?
Bob: Das ist auf jeden Fall für mich schwer zu beantworten, weil ich die Alternative nicht wirklich kenne. Es ist nichts, wo ich mir aufgrund zweier verschiedener Erfahrungen gedacht habe: So funktioniert das besser, sondern mit den Leuten, mit denen wir zusammen angefangen haben, mit denen haben wir's zusammen durchgezogen.
Am Anfang ist es ja noch weniger, dass wir bestimmte Augaben zu vergeben haben, also: Wir brauchen hier 'nen Regisseur fürs Video, wir brauchen jemanden, der die erste Platte produziert. Sondern man hat eher Bock drauf, das zusammen mal auszuprobieren, es gibt für das meiste überhaupt kein Geld, das sind alles Visionen, die man verfolgt. Und wenn man dann zusammen anfängt, kristallisiert sich ja im besten Fall 'ne gute Arbeitsweise heraus, die man einfach weiter fortführt. Ich finde es sehr produktiv, wie wir arbeiten.
Dusk: Es kam also zwischendurch nicht einfach mal der Wunsch auf zu sagen: Mit Frederic ist gut, aber wir wollen jetzt mal was ganz anderes?
Bob: Die Frage, ob es dann vielleicht besser sein könnte, haben wir uns schon mal gestellt; was sich dann so geäußert hat, dass man hie und da einen Pitch gemacht hat und verschiedene Ideen angefragt hat von verschiedenen Leuten - wo dann aber auch wieder klar war: Die beste Idee hat und uns am besten darstellen kann der, der am meisten über uns weiß und schon mit uns zusammengearbeitet hat. Ich glaube, das Gute an der ganzen Sache ist, dass man jemandem nicht erklären muss, wie man denkt, sondern dass man das die ganze Zeit zusammen erfahren hat.
Dusk: Du bist auf der Bühne sehr präsent, sehr konzentriert, hast viel Interaktion mit dem Publikum. Stört es Dich da, als Bassist von der Mehrheit nicht als Solist wahrgenommen zu werden, eher die Begleitrolle innezuhaben?
Bob: Ich verstehe, was Du meinst. Frag mal jemanden, was ein Bass ist. Das können Dir die wenigsten erzählen. Aber das war komischerweise etwas, was mich am Anfang schon gereizt hat - also rein vom Instrument her diese unterschwellige Macht, die man mit 'nem Bass hat. Dass man für die Musik immens wichtig ist, aber nicht eins zu eins wahrgenommen wird. Jeder merkt immer erst, was Bass ist, wenn er gerade mal aus ist, gerade mal weg ist. Da weiß man - da fehlt was. Es ist ja so ein weitverbreitetes Phänomen, das Bassisten verhaltensgestört sind und ein Egoproblem haben. Deswegen gibt es ja die meisten Musikerwitze auch in die Richtung, als Bassistenwitze.
Dusk: Das wusste ich gar nicht.
Bob: Nee? Die meisten Basser haben irgendwie einen Egoschaden, wollen gerne in die erste Reihe. Ist bei mir aber nicht so, meine Position auf der Bühne gefällt mir schon sehr gut. Ab und zu mal ausbrechen - ich habe auf jeden Fall Spaß daran. Am besten klappt das, wenn ich mir wenig Gedanken dazu mache und es so laufen lasse, wie es sich gut anfühlt.
Dusk: Und das Bass-Spielen als Experimentierfeld, Dein Kontrabass zum Beispiel? Könntest Du Dir vorstellen, einfach mal einen Fretless Bass oder einen Keyboard-Bass zu spielen?
Bob: Ja, kam auch schon vor. Musikalisch habe ich ja so angefangen, dass ich mit vierzehn, glaube ich, begonnen habe, Keyboard-Unterricht zu nehmen und habe das vier Jahre gemacht.
In der Schule hatten wir dann gerade ein neues Musikzimmer bekommen, deswegen waren lauter Instrumente am Start. Und da kam halt die Frage: Ja, wer will den Bass spielen? Da hab ich mich einfach aus Jux gemeldet. Und dann hat jemand, der mir sehr wichtig ist, gesagt, dass mir das doch sehr gut steht. Seitdem wollte ich Bass spielen, das war eigentlich der Hauptgrund, weshalb ich damit angefangen habe.
Und dann hat es mir aber auch echt Spaß gemacht. Dann habe ich noch zwei Jahre Unterricht genommen und war gleich von Anfang an quasi bei der ersten Band, habe das alles aus Erfahrung gelernt und bin darüber auch total froh, dass das alles so kam.