Interview mit Mieze

Ein ausführliches Gespräch mit der Miez über Engagement und Hingabe, die Entstehung der Band und die überaus große Bedeutung von guten Freunden.
Dusk: Du bist als Mieze Katz ein Hans Dampf in allen Gassen, immer wieder taucht unerwartet Dein Gesicht, Deine Stimme in den Medien auf. Sind solche Engagements (wie z.b. Radical Advertising, Netz gegen Nazis, Klimaschutz) für Dich ein inneres Bedürfnis?

Miez: Ah, das ist gut, das ist nur 'ne Ja-oder-Nein-Frage (lacht). Ja! Irgendwann sind ja immer mehr Leute zu den Konzerten gekommen, und irgendwann merkt man, dass das, was man macht, nicht nur die eigene Stimme transportieren kann, sondern auch, dass man sich für andere einsetzen kann, dass man eine Stimme für diese Menschen sein kann, die nicht so laut schreien können wie wir. Und in dem Moment, wo wir das begriffen haben und sich das so verändert hat in die Richtung, haben wir uns das auch zunutze gemacht.
Es gibt viel, viel mehr Anfragen als das, wofür wir uns eigentlich einsetzen, das ist wirklich nur eine ganz kleine Auswahl. Aber die Sachen, die wir machen, die sind mit Herzblut und die sind genau ausgewählt und da sind - und vergrößern wir - die Stimme für diese Aktion.
Und das ja auch nicht nur im politischen Bereich, sondern auch, wenn ich so was wie mit Nikolai [Kinski] mache, "Selbstbezichtigung" oder bei den Fetten Broten, dann ist das für mich was ähnliches. Dann finde ich ja auch gut, was die machen und wie sie es machen. Das ist nicht nur die Unterstützung von einem aktuellen Stück, sondern es ist die Philosophie dahinter.

Dusk: Wie regelt Ihr solche Anfragen innerhalb der Band, wenn sie nur Dich als Mieze haben wollen?

Miez: Die Anfrage kommt auf den Tisch, und dann wird ganz klar gekuckt: Gehts in der Anfrage um Öko-Fashion und meinen persönlichen Geschmack, dann ist klar, was sollen die Jungs sich damit beschäftigen?
Und es wird ja soweit kommuniziert, dass ich, Mieze Katz, die Sängerin der Gruppe MIA. bin. Das gehört schon in einen Kosmos, und manchmal passt es, dass alle mitmachen, manchmal passt es auch, dass nur Gunnar irgendwo hingeht und ein Interview macht. Oder dass nur Andi angesprochen wird für bestimmte Remixe oder andere Geschichten. Wenn es zum Beispiel heißt: Wer von Euch in der Band macht 'nen Remix von einem Stück? - da kommt nur Andi in Frage.

Dusk: Inwieweit spielt Berlin "nach dem Hype" als Homebase für Dich eine Rolle? Fühlt es sich noch gut an, hier mitten im Touristentrubel zu leben?

Miez: Jein - an manchen Tagen mehr, an manchen weniger. Man merkt ja erst, wie lebendig es hier ist, wenn es mal ruhig ist. Da fällt Dir plötzlich ein, wow - keine Autos, gibts ja gar nicht.
Aber lass uns mal zurückkommen zu Berlin: Was ist Berlin für mich? Berlin ist nämlich der Ort, zu dem ich immer wieder zurückkehre. Berlin ist ein Dorf, Berlin ist aber auch eine Metropole; und das Tolle ist, dass ich mir jeden Tag aussuchen kann, wo ich aufwache. Manchmal ist es für mich so ein Gefühl von Zuhausesein, wo ich mich total wohlfühle in meinem Radius, um wirklich mal locker zu lassen und zu schreiben. Und manchmal muss ich aber auch extra weit weg von Berlin, um zu schreiben. Ich weiß nicht, wie ich das erklären kann: Es gibt so Tage, da komme ich aus meinem Radius fast gar nicht raus, aber das tut mir total gut. Und wenn ich aber wieder möchte und es brauche, kann ich mich aufmachen, es gibt so viele verschiedene Welten.
Deswegen ist es auf jeden Fall gut, Leben und Arbeiten und vielleicht Hobbies in den verschiedensten Bezirken aufzuteilen (lacht). Sich von A nach B zu bewegen und diese Stadt zu benutzen.

Dusk: Siehst Du Dich selbst innerhalb der Band als "Leader of the Pack"? Stört es Dich, von außen so wahrgenommen zu werden?

Miez: Weder noch.

Dusk: Punkt - aus?

Miez: Nein, es ist uns in der Wahrnehmung natürlich allen klar - ich schreib die Texte und sage da vorne, was ich meine, auch für uns alle. Aber innerhalb der Gruppe, wenn es um Entscheidungen geht, dann entscheiden wir das zusammen. Aber an seinem Instrument, Gunnar am Schlagzeug oder ich an der Stimme und auch zum Teil, wenn's mir ganz ganz wichtig ist zum Text, da kann jeder bei uns selbst entscheiden. Das heißt, es ist ein demokratischer Prozess, auch im künstlerischen Sinne, aber es kann sich jeder auf seinem Feld auf jeden Fall ausleben. So seh ich das. Und Du?

Dusk: Äh. ja!

Miez: Kuck mal, bei manchen Sachen ist es zum Beispiel so: Ich schreibe seit Jahren und mit totaler Leidenschaft die Setlist. Weil ich weiß, ich führe durch diesen Abend, ich führe durch dieses Programm, da habe ich 'ne Vision dahinter, da habe ich eine dramaturgische Idee. Und ich bin den Jungs total dankbar, dass die diesen Weg mit mir gehen und mich wirklich eher unterstützen darin und sagen: Wie findest Du denn das?, weil sich mich nun auch besser kennen, ...oder da eine Ansage und da gleich weiter? Aber wenn mir an irgendwas total liegt und ich das unbedingt ausprobieren möchte, dann gehen die da mit mir mit. Und an andere Stelle wissen sie, dass ich mit ihnen mitgehe. Jeder hat die Bereiche, die ihm wichtig sind.

Teil 2

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Teil 3

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Teil 4

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Teil 5

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